Eine yogische Reise: Mit dem Fahrrad bis nach Indien

Felix erzählt

Als ich mit Felix telefoniere, sitzt er gerade an einem Strand in der Südtürkei. Seine Begleiterin hat sich am Knie verletzt und benötigt ein paar Tage Pause, daher werden die Zelt erst einmal vor Ort aufgeschlagen – wortwörtlich. „Das sollte dann so sein“, meint Felix, der mit unerwarteten Ereignissen beneidenswert gelassen umgehen kann – eine wichtige Eigenschaft für eine Reise wie die, die er gerade erlebt.

Felix hat die letzten Jahre als Sevaka im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg verbracht und befindet sich nun auf der Mission, Yoga in der Welt zu verbreiten. Dafür hat er sich auf die Reise nach Rishikesh begeben, dem Ursprung der Sivananda Philosophie, welche sein eigenes Leben bereichert hat. Im Interview hat er mir von seiner Reiseplanung, Erlebnissen unterwegs und seiner Mission erzählt.

Lieber Felix, du bist derzeit auf einer ganz außergewöhnlichen Mission unterwegs: Mit dem Fahrrad vom Yoga Vidya Ashram in Bad Meinberg bis zum Sivananda Ashram in Rishikesh, Indien. Wie kam es zu dieser Idee?

Weil ich schon lange ein begeisterter Fahrradfahrer bin. In meiner Heimatstadt Innsbruck war ich als Kurierfahrer Vollzeit auf den Straßen. Das ist zwar eine andere Form des Radelns, hat aber auf jeden Fall die Idee befeuert. Für mich ist Radfahren eine dynamische Meditation. Ob schnell oder langsam, ich bin auf meine Atmung und meine Umgebung fokussiert.  Hinzu kommt, dass nach Indien zu radeln schon seit etwa drei Jahren ganz oben auf meiner To Do Liste steht. Die Motivation dahinter ist, die Wurzeln des Yogas aufzuspüren, aber auch der Weg dorthin, Reisen und dabei alternative Lebensformen und Kulturen kennenlernen. Auf dem Rad ist es mir möglich, umweltfreundlich den Planeten kennenzulernen. In Zeiten des Klimawandels fühlt es sich für mich nicht richtig an, in den Flieger zu steigen, um mich schnell an einen anderen Ort zu beamen. Der Weg ist das Ziel und so nehme ich es auch wahr.

Was möchtest Du mit dieser tollen Reise erreichen?

Einerseits möchte ich mich in Situationen begeben, in denen ich wachsen darf – „seeking discomfort“ ist hier mein Motto. In den gemütlichen vier Wänden fällt es mir sehr leicht, in der Komfortzone zu versinken. Den Weg des geringsten Widerstandes finde ich schnell. Doch besser geht es mir körperlich und auch mental, wenn ich Herausforderungen meistere. Deswegen begebe ich mich mit dieser Radreise aktiv in eine fordernde Lebenssituation, aus der ich anschließend größer hervorgehen darf.

Andererseits wünsche ich mir, Yoga in die Welt hinauszutragen. Ich habe Yoga im Ashram kennen und schätzen gelernt. Nun in der Außenwelt mein Wissen und meine Praktiken zu teilen, wird ein Abenteuer, hat aber auch einen großen Mehrwert, denn ich kann Menschen inspirieren, die keine Berührungspunkte mit Yoga haben und auch nicht in einen Ashram kommen würden.

Wie lief der Planungsprozess ab?

Ich habe die ungefähre Route bei Google Maps herausgesucht und die totale Kilometeranzahl durch Reisekilometer pro Tag geteilt. So bin ich auf neun Monate gekommen. Jetzt stelle ich allerdings fest, dass das utopisch war. Auf dem Weg warten so viele Überraschungen, das Wetter ist manchmal unberechenbar, Begegnungen mit und Besuch von tollen Menschen lassen die Reise länger werden als gedacht. Natürlich sind die Muskeln auch manchmal müde oder man macht Stippvisiten bei Massagecentern und Yogastudios. All das ist aber völlig okay und genau so richtig, wie es ist.


Als nächsten Schritt im Planungsprozess habe ich mein Material organisiert und secondhand gekauft und alles mit Yoga Vidya abgesprochen. Dann war es auch schon soweit, die Sachen zu packen und alles andere dem Universum zu überlassen.

Inwieweit überlässt du auch die Routenplanung dem Universum?

Schon ziemlich. Das Ziel ist klar und die Route lebt von dem, was ich unterwegs höre und sehe. Locals geben Empfehlungen, politische Lagen ändern sich, Strecken sehen in meinem Navigationssystem attraktiver aus als andere – am See oder Fluss, hoch auf einen Berg oder an einer Bundesstraße. Für mich funktioniert es am besten, nur einige Tage im Voraus Etappenziele festzulegen. Selbst die dürfen sich je nach Gemütszustand ändern. Insofern hat das Universum da auch seine Hände mit im Spiel.

Du hast unterwegs auch schon in verschiedenen Yogastudios unterrichtet. Erzähle uns ein wenig über diese Kooperationen.

Meistens war das in Yoga Vidya Studios. Über Social Media habe ich auf meine Reise aufmerksam gemacht und so Kooperationen hergestellt. Unterrichtet habe ich Hatha Yoga im Yoga Vidya Stil, aber auch Acro Yoga und Lachyoga. Teilweise schlief ich im Yogastudio, auch wurde ich zu freundlichen Yogis aus der Umgebung vermittelt. Ziemlich cool! Auch bekocht wurde ich mancherorts.

Wann genau hast du deine Reise gestartet? Wie hast du die erste Zeit erlebt?

Anfangs war es eine Einfindungsphase. Ich habe mir die Tagesetappen klein gehalten und schnell festgestellt, dass 40 km am Tag zu wenig sind. 80 km sind realistischer, manchmal geht aber auch mehr. Da ich spät startete, erreichte mich der Herbst schnell und begleitete mich eigentlich bis heute wettertechnisch. Häufig hat es tagelang geregnet und ich durfte lernen, dass es kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur schlechte Gedanken. Hört sich aber leichter an, als es ist.

Damit bist du jetzt schon 5 Monate unterwegs. Welche Länder hast du in diesem Zeitraum durchquert?

Deutschland, die Schweiz, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Bosnien Herzegowina, Montenegro, Albanien, und zuletzt Griechenland.

Wow, 10 Länder! Welche Erlebnisse sind dir dabei besonders im Gedächtnis geblieben?

Da kann ich ganz viel aufzählen…

Das kann ich mir vorstellen!

Ganz viele Sonnenauf- und Untergänge, in der Natur aufwachen, am Anfang des Tages nicht wissen, wo man das Zelt aufstellen wird, aber man weiß, dass man immer an einem schönen Ort landen wird – durch Fügung, Begegnungen mit netten Menschen… Es ist auch wunderschön meine Begeisterung für das Fahrradfahren und für Yoga leben und weitergeben zu können.

In Griechenland habe ich am Strand eines Tages gerufen „Hey, ich mache ne Yogastunde!“ und tatsächlich kamen ungefähr 10 Leute und machten mit.

Wie toll!

Ja, wir haben dann jeden Tag gemeinsam Yoga praktiziert.

Alle Alterklassen, nehme ich an?

Ja, es war ein tolles Gefühl, alle miteinander zu vereinen. Dadurch ist das Eis gebrochen und wir waren wie eine große Familie. Nachdem ich weg war, bekam ich von einem Teilnehmer noch ein Video geschickt, wie sie gemeinsam Sonnengrüße machten.

Was genießt du an deiner Reise, was findest du eher herausfordernd?

Den ganzen Tag draußen sein ist der Hammer, bin aber dadurch auch den Elementen ausgesetzt. Wenn es früh dunkel wird und kalt ist, sind Körperhygiene und Wäschewaschen sehr klein geschrieben.

Als Hauptaufgabe auf dem Rad zu sitzen und sich zu bewegen, gefällt mir auch sehr gut, doch fällt es mir gar nicht so leicht, nebenbei noch Yoga zu praktizieren. Speziell wenn es kalt ist, ist der Boden feucht und pieksig.

Wo bist du jetzt gerade und wann geht es weiter?

In der Südtürkei, an der Mittelmeerküste. In ein paar Tagen geht es weiter nach Antalya.

Momentan bist du in Begleitung unterwegs. Wie kam es dazu?

Das habe ich Yoga Vidya zu verdanken! Leoni, meine jetzige Begleitung, war vor etwa zwei Jahren mal in einem solchen Workshop dabei. Anderthalb Jahre später, als ich gerade auf mein Fahrrad stieg, um die Reise zu beginnen, schrieb sie mir eine Nachricht, um mir zu meinem Vorhaben zu gratulieren. Sie selbst war zu diesem Zeitpunkt schon drei Monate unterwegs, also schickte sie mir ein paar Tipps. In Griechenland haben wir uns dann zusammengetan. Gemeinsam lässt es sich noch viel besser radeln, lachen, Yoga praktizieren, Handstände machen und kochen!
Wenn es das Universum so will, reisen wir gemeinsam nach Indien. Sie wird ihre Reise dort weiter fortsetzen.

Was für eine schöne Geschichte! Wann planst du, in Rishikesh anzukommen – allein oder gemeinsam?

Das ist alles noch ungewiss. Die Route der alten Seidenstraße führt uns durch Länder, wo wir noch unsicher sind, wie es mit dem Visum läuft. Aber wir schätzen, in einem halben Jahr circa.

Wie lange wirst du dortbleiben?

Du stellst Fragen 😀 Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Es wird kommen, wie es kommen soll.

Was möchtest du unbedingt erleben, solange du dort bist?

Den Indian Spirit in mich aufnehmen, der Erleuchtung näherkommen.

Ein ehrgeiziges Ziel! Genau wie die gesamte Reise. Wie wird deine Rückreise aussehen?

Auch das ist noch ungewiss, aber ich denke, ich werde meinen fliegenden Teppich entstauben und für die Rückreise satteln.

Ich wünsche dir und Leoni weiterhin ganz viel Spaß und eine tolle Reise!

Der erste Teil von Felix‘ Reise war finanziell von einem Sponsor abgedeckt; inzwischen ist er auf eigene Faust unterwegs. Wenn euch das Interview gefallen hat und ihr Lust habt, zu seiner Reise beizutragen, könnt ihr das hier machen.

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Felix

Leoni

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