Letztes Jahr hatte ich auf einer Veranstaltung das Glück, an einem Workshop von Ulrike zum Thema Kinderyoga teilnehmen zu können. Ihr Ansatz hat mich total überzeugt und ihre herzliche, nahbare Art hat ihr übriges getan – ich musste sie einfach als Interviewgast auf meinen Blog einladen! Wieder hatte ich Glück und sie sagte zu, wodurch ich euch nun dieses Interview präsentieren darf. Ich hoffe, ihr habt genauso viel Spaß beim Lesen wie ich beim Workshop mit ihr!

Wie bist du zum Kinderyoga gekommen? Was hat dich daran angesprochen?
Eigentlich komme ich aus einer ganz anderen Welt: aus Marketing und PR. Ich habe viele Jahre in diesem Bereich gearbeitet, aber als ich selbst Mama wurde, hat sich mein Blick auf vieles verändert. Meine beiden Töchter haben mir sehr deutlich gezeigt, was für mich wirklich zählt. Und irgendwann war klar: Ich möchte beruflich etwas machen, das mehr mit Kindern, Entwicklung und echter Wirkung zu tun hat.
Zum Kinderyoga kam ich dann eher über Umwege. Ich habe damals die Kindertanzgruppe meiner großen Tochter übernommen, weil Tanz, Bewegung und Musik schon immer zu mir gehörten. In der Praxis habe ich schnell gemerkt: Kinder bewegen sich sehr unterschiedlich. Was für manche leicht ist, ist für andere eine echte Herausforderung – Rückwärtslaufen, Rhythmus spüren, den eigenen Körper koordinieren.
Also habe ich mich intensiver mit Bewegung für Kinder beschäftigt. Gleichzeitig fiel mir auf: Viele Kinder kamen völlig aufgedreht in die Stunde und gingen genauso wieder raus. Es war laut, wild und lebendig – aber mir fehlte etwas, das sie wieder bei sich ankommen lässt.
Über das Entspannungstraining für Kinder kam ich dann zur ersten kleinen Massageübung. Die Kinder haben sie geliebt und immer wieder eingefordert. Da war für mich dieser Moment: Kinder brauchen nicht nur Bewegung. Sie brauchen auch Pausen, Rituale, Körperwahrnehmung und Erwachsene, die merken, was gerade wirklich gebraucht wird.
So habe ich Kinderyoga entdeckt. Darin kam für mich plötzlich alles zusammen: Bewegung, Achtsamkeit, Entspannung, Fantasie, Musik und Verbindung. Heute, knapp zehn Jahre später, ist Kinderyoga für mich viel mehr als ein schönes Kinderangebot. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, Kinder nicht nur zu beschäftigen, sondern sie wirklich zu stärken.
War es in der Praxis dann auch so wie in deiner Vorstellung?
Nein. Und genau das war wahrscheinlich das Beste daran.
Ich hatte Kinderyoga am Anfang als buntes, kreatives Spielfeld im Kopf. Gleichzeitig hatte ich auch Respekt vor diesem kleinen Kreis Kinder vor mir. Man weiß ja nie: Haben sie Lust? Machen sie mit? Oder schauen sie mich an nach dem Motto: „Was will die denn jetzt von uns?“
Die ersten Stunden waren ziemlich holprig. Ich hatte viel zu viel vorbereitet, wollte alles richtig machen und hatte natürlich meinen Plan. Nur haben die Kinder diesen Plan meistens nach fünf Minuten freundlich, aber sehr deutlich über den Haufen geworfen.
Rückblickend war das meine wichtigste Schule. Ich habe verstanden: Kinderyoga funktioniert nicht, wenn ich Kinder durch ein Programm schiebe. Und es wird auch nicht dadurch besser, dass ich noch mehr Übungen, noch mehr Spiele oder noch mehr schöne Ideen hineinpacke.
Am Anfang dachte ich zum Beispiel, eine richtige Kinderyoga-Stunde müsse unbedingt mit einer Fantasiereise enden. Heute weiß ich: Für viele Kinder ist das erstmal viel zu viel. Manche brauchen Bewegung. Manche brauchen Wiederholung. Manche brauchen klare Grenzen. Manche brauchen erstmal einen Erwachsenen, der nicht gleich nervös wird, wenn es unruhig wird.
Aus genau diesen Erfahrungen ist mein Ansatz des bindungsstarken Kinderyogas entstanden. Für mich bedeutet das: Ich halte nicht an einem perfekten Stundenplan fest, sondern bleibe mit den Kindern in Verbindung. Ich schaue: Was ist gerade wirklich da? Was brauchen diese Kinder heute? Und wie kann ich sie so begleiten, dass sie sich sicher fühlen, sich ausprobieren und Schritt für Schritt bei sich ankommen können?
Denn für mich ist Kinderyoga kein Plüschyoga und auch keine bunte Beschäftigungsshow. Bindungsstarkes Kinderyoga bedeutet: Kinder wirklich sehen, sie in ihrer Entwicklung stärken und Räume schaffen, in denen echte Verbindung möglich wird. Das ist das Konzept, das ich heute in meiner Ausbildung weitergebe – und das für mich den Unterschied macht.

Viele Erwachsene praktizieren Yoga, um mit dem fordernden Alltag besser klarzukommen. Wie profitieren kleine Yogis und Yoginis davon?
Kinder kommen ganz anders ins Yoga als Erwachsene. Erwachsene kommen meistens aus eigenem Antrieb. Sie wissen: Ich möchte mir etwas Gutes tun, ich möchte runterfahren, ich möchte vielleicht endlich diese zehn Minuten Savasana am Ende genießen.
Kinder werden oft erstmal geschickt. Sie wissen gar nicht genau, was sie erwartet. Manche kennen Yoga vielleicht von Mama oder Papa und denken: „Oh nein, jetzt muss ich stillsitzen und Om sagen.“ Und dann kommen sie ins Kinderyoga und merken: Hier darf ich mich bewegen. Hier darf ich ausprobieren. Hier darf ich auch skeptisch, wild, neugierig oder albern sein.
Genau darin liegt für mich die große Kraft. Kinder profitieren nicht davon, wenn wir Erwachsenenyoga einfach kleiner machen. Sie profitieren, wenn Yoga wirklich kindgerecht wird: körperlich, emotional, spielerisch und gleichzeitig klar geführt.
Im Kinderyoga lernen Kinder ihren Körper besser kennen. Sie üben Gleichgewicht, Koordination, Kraft und Beweglichkeit. Sie üben aber auch Konzentration, Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung. Sie merken: Wie fühlt sich mein Körper gerade an? Bin ich voller Energie? Bin ich müde? Brauche ich Bewegung, Rückzug oder Verbindung?
Und sie erleben sich in der Gruppe. Sie machen Partnerübungen, achten aufeinander, lachen miteinander, helfen sich, warten ab und trauen sich etwas. Manchmal taut ein ruhiges Kind nach und nach auf und plötzlich leuchten die Augen. Manchmal findet ein sehr wildes Kind seinen eigenen Weg in die Ruhe – vielleicht nicht über eine Fantasiereise, sondern über eine Massage, einen Atemimpuls oder eine kleine Pause auf der Matte.
Für mich ist Kinderyoga dann wirksam, wenn Kinder erleben: Ich darf hier sein, wie ich bin – und ich kann lernen, mit mir selbst und mit anderen besser klarzukommen. Das stärkt Kinder. Nicht nur für die Yogastunde, sondern für ihren Alltag.
Was bereitet dir besonders viel Spaß beim Unterrichten von Kinderyoga?
Für mich ist das Schönste am Kinderyoga die besondere Atmosphäre, die entsteht. Wir schaffen einen Raum, in dem Kinder sich ausprobieren dürfen, ohne dass ständig bewertet wird. Da gibt es kein „falsch“ im klassischen Sinn, kein „du musst das aber so machen“, sondern eher: Schau mal, was dein Körper kann. Spür mal, wie sich das anfühlt. Probier dich aus.
Ich liebe diese Freiheit, die Kreativität und diese natürliche Freude, die Kinder mitbringen, wenn sie sich sicher fühlen. Natürlich ist es manchmal chaotisch. Natürlich sagen Kinder ungefiltert, was sie denken. Aber genau das macht es so lebendig. Sie bringen sich ein, verändern Ideen, stellen Fragen, widersprechen auch mal – und dadurch wird Kinderyoga echt.
Und dann gibt es diese kleinen Momente, für die ich das alles mache: Wenn Kinder in der Kita über den Flur rufen: „Die Yoga-Frau ist da!“ Oder wenn ich draußen vor der Tür noch ein Mantra höre, das wir gerade gelernt haben, und ein Kind es wie einen Ohrwurm durch die Kita singt. Dann weiß ich: Da ist etwas angekommen.
Kinderyoga ist für mich wie ein Strauß voller Möglichkeiten. Es holt jedes Kind dort ab, wo es gerade steht – mit seinem Körper, seinem Temperament, seiner Stimmung und seiner Entwicklung. Ein ruhiges Kind darf langsam auftauen. Ein wildes Kind darf Bewegung finden und vielleicht irgendwann Ruhe. Ein unsicheres Kind darf merken: Ich bin hier richtig.
Das ist für mich das Wertvolle: Kinder erleben im Kinderyoga einen Ort, an dem sie nicht in Schubladen gesteckt werden. Sie dürfen sein, wie sie sind, und gleichzeitig wachsen. Das klingt weich – ist es aber nicht. Denn dafür braucht es eine Haltung, eine Methode und echte Praxis. Genau das ist bindungsstarkes Kinderyoga.

Wie lange unterrichtest du schon? Was hast du in dieser Zeit gelernt?
Meine erste Kinderyogalehrer-Ausbildung habe ich vor knapp neun Jahren gemacht. Vorher habe ich aber schon seit 2015 mit Kindern im Bereich Bewegung, Tanz und Entspannung gearbeitet, und Kinderyoga ist da nach und nach immer stärker hineingewachsen. Also ungefähr zehn Jahre Praxis mit Kindern, wenn man es rund macht.
Angefangen habe ich mit Kita-Kindern, dann kamen Grundschulkinder dazu, später Tweens zwischen 10 und 15 Jahren – und inzwischen auch die ganz Kleinen in der Krippe, also Kinder zwischen ein und drei Jahren. Jede Altersgruppe hat ihre eigene Besonderheit. Bei den Krippenkindern sind es diese staunenden Augen. Bei den Kita-Kindern das wilde Kreativchaos. Bei den Grundschulkindern die klugen, manchmal herrlich unerwarteten Fragen. Und bei den Tweens diese tiefen Gespräche, wenn sie merken: Hier muss ich mich nicht verstellen.
Was ich in dieser Zeit vor allem gelernt habe: Die Verbindung zu den Kindern ist wichtiger als der beste Stundenplan. Du kannst dir die kreativsten Spiele, Übungen und Themen ausdenken – wenn sie die Kinder gerade nicht erreichen, bringt es wenig.
Ich habe auch gelernt, Kindern viel mehr zuzutrauen. Sogar den ganz Kleinen. Kinder wissen oft erstaunlich genau, was sie können, was sie nicht möchten und was sie brauchen. Und auch vor Tweens müssen wir keine Angst haben. Sie brauchen keine Show. Sie brauchen Echtheit.
Ich unterrichte bis heute jede Woche mit allen Altersgruppen. Das hält mich wach, neugierig und nah an der Praxis. Für mich ist Kinderyoga nicht nur ein Berufsfeld. Es ist mein Herzensbusiness – und gleichzeitig eine sehr konkrete Arbeit mit Kindern, Gruppen, Körpern, Emotionen und echten Alltagssituationen.
Du bildest inzwischen auch aus. Wie kam es dazu?
Der Schritt kam tatsächlich in einer Zeit, in der erstmal gar nichts nach Wachstum aussah: während Corona. Ich hatte 2019 hier in Ahrensburg meine ersten eigenen Kinderyoga-Kurse angeboten, sie waren voll, und Anfang 2020 wollte ich richtig durchstarten. Ich hatte mich gerade selbstständig gemacht – und dann kam im März der Lockdown.
Das war für mich Fluch und Segen zugleich. Natürlich war es erstmal ein Schock. Gleichzeitig bin ich sehr schnell ins Online-Kinderyoga gegangen, direkt mit den Kindern. Und dabei habe ich gemerkt: Verbindung ist auch online möglich, wenn wir sie bewusst gestalten.
Aus dieser Zeit sind zuerst kleine Weiterbildungen entstanden, zum Beispiel „Kinderyoga to go“, das es bis heute als Format gibt. Später habe ich auch für Akademien Kinderyoga-Ausbildungen gegeben. Irgendwann wurde aber ganz klar: Ich möchte nicht nur das Wissen anderer weitergeben. Ich möchte mein eigenes Konzept aus der Praxis heraus entwickeln.
So ist meine eigene Kinderyoga-Ausbildung entstanden. Heute ist sie ZFU-zertifiziert – als erste und einzige Online-Kinderyoga-Ausbildung in Deutschland. Darauf bin ich wirklich stolz, weil dahinter so viel Arbeit, Erfahrung und echte Praxis steckt.
Besonders wichtig ist mir, dass meine Ausbildung nicht theoretisch im Kopf hängen bleibt. Die Teilnehmerinnen sollen nicht einfach „mein“ Kinderyoga kopieren, sondern ihr eigenes finden: passend zu ihrer Persönlichkeit, ihrer Zielgruppe und ihrem Alltag.
Deshalb gehört bei mir vieles zusammen: Kinderyoga-Praxis, Pädagogik, Methodik, Didaktik, Entwicklungswissen und auch anatomische Grundlagen, die ich gemeinsam mit einer Physiotherapeutin vermittle. Und weil viele Frauen daraus später ein eigenes Angebot entwickeln möchten, gehört auch Marketing dazu. Ich möchte, dass sie nicht nur wissen, wie Kinderyoga funktioniert, sondern dass sie mit ihrem Angebot wirklich losgehen und sichtbar werden.
Ein ganz großer Teil ist außerdem die Community. Bei mir endet Begleitung nicht mit dem Zertifikat. Wer in meinen Aus- und Weiterbildungen war, darf bleiben. Für mich ist Ausbildung nicht: Du bekommst Inhalte und bist dann allein. Es ist ein gemeinsamer Weg, auf dem Frauen sicherer werden, mutiger werden – und ihr eigenes bindungsstarkes Kinderyoga in die Welt bringen. Das ist nicht nur ein schöner Satz. Es ist das Herzstück meines Konzepts.

Was spricht aus deiner Sicht dafür, Kids zu unterrichten?
Eigentlich: fast alles.
Die Arbeit mit Kindern verändert den Blick auf die Welt. Kinder sehen Dinge anders. Direkter, neugieriger, oft viel unverstellter als wir Erwachsenen. Wenn du mit Kindern arbeitest, kommst du selbst wieder mehr ins Staunen. Du erinnerst dich daran, dass Freude manchmal ganz klein anfängt: bei einem Geräusch, einer Bewegung, einem Bild, einer Idee, die plötzlich im Raum entsteht.
Natürlich ist Kinderyoga nicht immer ruhig und harmonisch. Es ist manchmal laut, wild und unberechenbar. Aber genau deshalb ist es so wichtig, nicht nur schöne Übungen zu kennen, sondern auch Wissen über Kinder, Gruppen, Nervensysteme, Entwicklung und unterschiedliche Bedürfnisse mitzubringen. Dann bleibst du sicherer, auch wenn eine Stunde mal anders läuft als geplant.
Und ja, es gibt diese Stunden, in denen alles durcheinandergeht. Dann gehst du raus, atmest einmal durch und beim nächsten Mal fangt ihr wieder neu an. Das Schöne an Kindern ist: Sie sind meistens viel weniger nachtragend als wir Erwachsenen. Oft denken eher wir: „Oh je, das war heute aber kein richtiges Yoga.“ Während die Kinder vielleicht längst mit einem Lied, einer Übung oder einem kleinen Ritual nach Hause gehen.
Genau das macht die Arbeit so wertvoll. Kinder nehmen kleine Werkzeuge mit: eine Atemübung, eine Körperhaltung, eine Massage, ein Gefühl von „Ich kann mich beruhigen“ oder „Ich darf mich ausprobieren“. Sie erleben einen Raum, in dem nicht ständig bewertet wird – einen Raum, in dem sie nicht funktionieren müssen, sondern sich entdecken dürfen. Das ist bindungsstarkes Kinderyoga. Und dafür lohnt es sich, loszugehen.
Was ist der deutlichste Unterschied zum Unterricht mit Erwachsenen, abgesehen vom Stil?
Kinderyoga und Erwachsenenyoga sind wirklich zwei völlig unterschiedliche Welten. Es geht nicht nur darum, die Übungen spielerischer zu verpacken. Die ganze Art des Unterrichtens ist anders.
Im Kinderyoga sitzen wir oft im Kreis. Wir schauen uns an, wir sprechen miteinander, wir reagieren aufeinander. Es ist kein Frontalunterricht, bei dem ich vorne etwas vormache und alle machen still mit. Kinder bringen sich ein. Sie kommentieren, fragen, widersprechen, erfinden neue Varianten und zeigen sehr ehrlich, wenn etwas gerade nicht passt.
Und genau das liebe ich daran. Ich bin selbst auch Hatha-Yogalehrerin, aber ich unterrichte keine Erwachsenen. Ganz ehrlich: Mir wäre das zu still. Kinder schenken uns unmittelbare Rückmeldung. Manchmal charmant, manchmal herausfordernd, manchmal mitten ins Herz. Aber immer echt.
Der größte Unterschied ist für mich: Im Kinderyoga leite ich nicht einfach eine Stunde an, ich rahme einen Raum. Die Kinder füllen ihn mit Leben. Mit ihren Ideen, ihrer Energie, ihren Fragen, ihrer Tagesform.
Als Kinderyogalehrerin brauche ich deshalb nicht nur Übungen, sondern Fingerspitzengefühl. Ich muss wahrnehmen können: Wie ist die Gruppe heute da? Wie lang ist die Aufmerksamkeitsspanne? Brauchen die Kinder gerade Bewegung, Struktur, Pause oder klare Grenzen? Welche Übung passt wirklich zu ihrem Alter, ihrem Körper und ihrer Entwicklung?
Kinderyoga bedeutet für mich auch nicht, Kinder in Asanas hineinzuschieben, die sie noch gar nicht ausführen können. Es geht darum, Yoga so zu übersetzen, dass Kinder ihn körperlich, emotional und sozial erleben können.
Dafür braucht es Spontanität, Sicherheit und echte Verbindung. Rituale helfen, weil sie Kindern Orientierung geben. Eine verlässliche Leitung hilft, weil Kinder spüren: Da ist jemand, der mich sieht und den Raum hält.
Das ist für mich der Kern: Kinderyoga ist kein verkleinertes Erwachsenenyoga. Es ist eine eigene, lebendige Form von Yoga – mit sehr viel Beziehung, genauer Beobachtung und der Bereitschaft, den Plan loszulassen, wenn die Kinder gerade etwas anderes brauchen.
Was sollte ein guter Kinderyoga-Lehrer mitbringen?
Für mich ist erstmal ganz klar: Alles ist wichtiger als die perfekte Asana.
Ich sage immer: Es gibt keine Asana-Polizei im Kinderyoga. Niemand kommt in deine Stunde und sagt: „Du hast heute nur fünf Haltungen gemacht, das war kein richtiges Kinderyoga.“ Darum geht es nicht.
Ein guter Kinderyoga-Lehrer braucht vor allem echtes Interesse an Kindern. Den Wunsch, sie wirklich zu sehen. Nicht nur das Kind, das brav mitmacht, sondern auch das Kind, das laut ist, vorsichtig, skeptisch, wild, verträumt oder ganz anders tickt als man selbst.
Es braucht Feingefühl, Klarheit und die Fähigkeit, Kindern Sicherheit zu geben. Und es braucht die Bereitschaft, ihnen etwas mitzugeben – auch wenn es nur kleine Dinge sind: eine Atemübung, ein Moment von Ruhe, ein gutes Körpergefühl oder die Erfahrung: Ich bin hier richtig.
Und an alle, die denken: „Ich bin gar nicht yogisch genug“ oder „Ich bin nicht ruhig genug“ – Yoga ist wirklich für alle da. Auch für ganz normale Menschen. Wir sehen oft diese Hochglanzbilder von schlanken Frauen in Kopfständen und Spagat, aber Yoga ist so viel mehr als perfekte Körperhaltungen.
Im Kinderyoga müssen wir uns nicht verbiegen – weder körperlich noch in unserer Persönlichkeit. Wir übersetzen Yoga kindgerecht: mit Bewegung, Achtsamkeit, Entspannung, Fantasie und Verbindung. Du darfst auch die Asanas wählen, die zu dir passen und die du sicher weitergeben kannst.
Ich selbst bin zum Beispiel auch keine übertrieben spirituelle Yogalehrerin. Ich mag Klänge, ätherische Öle und Yogaphilosophie, ja. Aber ich bin sehr bodenständig in meiner Arbeit. Kinderyoga ist für mich nichts Abgehobenes und auch nichts Religiöses. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, Kindern Werkzeuge für ihren Alltag mitzugeben – über den Körper, über das Spüren, über Ruhe, Bewegung und echte Begegnung.
Was hast du für Tipps an alle, die gern Kinderyoga unterrichten würden?
Mein wichtigster Tipp ist: Warte nicht, bis du perfekt bist. Fang an.
Wenn du spürst, dass du Kindern etwas mitgeben möchtest in dieser lauten, wilden, manchmal ziemlich unberechenbaren Welt, dann hör auf dieses Gefühl. Du musst nicht direkt die perfekte Kinderyoga-Stunde mit Fantasiereise, Mantra, zehn Asanas und pädagogischem Feinschliff abliefern.
Du darfst klein starten. Mit einer Atemübung. Einer kleinen Massage. Einer Konzentrationsübung. Einer einfachen Asana-Geschichte oder ein paar Yoga-Karten. Wichtig ist nicht, dass alles spektakulär ist. Wichtig ist, dass du wirklich da bist.
Lass den Perfektionsgedanken los. Versteck dich nicht hinter deinem Zettel, sondern schau die Kinder an. Spür in die Gruppe hinein. Bau Verbindung auf. Oft entsteht genau dann die stärkste Stunde, wenn du nicht stur an deinem Plan klebst, sondern wahrnimmst, was die Kinder gerade brauchen.
Und bitte glaub nicht, dass es nur die eine richtige Art von Kinderyoga gibt. Es gibt so viele Arten von Kinderyoga, wie es wunderbare Frauen gibt, die es in die Welt bringen. Deine Art darf anders sein als meine. Sie soll sogar anders sein. Denn genau darin liegt ihre Kraft.
Was ich nach fast zehn Jahren Praxis sagen kann: Hör auf dein Bauchgefühl, geh los und bring dein Kinderyoga in die Welt. Die Kinder, die genau deine Art brauchen, werden dich finden.
Und wer weiß: Könnte ja richtig gut werden.

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