Vom Neubeginn zum eigenen Stil: Bernadette erzählt

Ich freue mich riesig, Bernadette heute hier auf dem Blog zu haben, denn sie war ein großer Teil meiner Yogalehrerausbildung! Dort haben wir uns kennengelernt, sind ein paar Mal gemeinsam zu unseren Ausbildungswochenenden gefahren und haben uns auch ein Zimmer geteilt.

Bernadettes Yoga-Weg ist etwas ganz Besonderes, weshalb ich mich so sehr gefreut habe, dass sie sich zu einem Interview bereit erklärt hat! Sie ist sehr vielseitig und kombiniert Hatha- und Yin-Yoga mit Mantras und Harmoniummusik. In letzter Zeit hat sie sich auch für Thai-Yoga begeistert und schafft so ein besonderes Entspannungserlebnis für ihre Kunden. Auf einer größeren Ebene hat sie sich mit zwei anderen Frauen zusammengetan, um die Magie des Yoga auf Retreats zu teilen. Wie ihr seht, hat sie viel zu erzählen – und ich freue mich, euch den ersten Teil unseres Interviews präsentieren zu dürfen!

Hi Bernadette, danke noch einmal, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast! Lass uns ganz am Anfang starten: Wie begann deine Yoga-Reise – was hat dich ursprünglich inspiriert, auf die Matte zu gehen?

Meine Yogareise begann 2010 im Frankfurter Bornheim, in der TG Bornheim, einem großen Sportverein. Ich war frisch von meinem damaligen Freund getrennt und hatte gerade meinen ersten Job nach dem Studium begonnen. Kurz zuvor war meine Mutter gestorben. Für mich fühlte sich diese Zeit wie ein Reset an, wie ein innerer Neustart, bei dem ich noch einmal von vorne anfing.

Weniger aus tiefer Traurigkeit heraus, sondern vielmehr aus dem Gefühl: Jetzt muss ich Verantwortung für mich selbst übernehmen – und es gut machen.

Zunächst übte ich Yoga vor allem um der Bewegung willen. Koordinierende, schweißtreibende Sportarten hatten mich schon immer eher abgeschreckt, und so fand ich im Hatha Yoga meine Form von Bewegung. Klar, ruhig, strukturiert.

Diese Art Yoga zu praktizieren – ohne konkreten spirituellen Hintergrund, ohne Yoga-Philosophie, ohne tieferes Verständnis von Anatomie oder den Zusammenhängen zwischen Körper und Geist – begleitete mich noch einige Jahre.

Erst durch einen Umzug innerhalb Frankfurts, von Bornheim ins Nordend, wechselte ich ins Yogastudio Shiva Yoga. Dort kam ich dem ursprünglichen Gedanken von Yoga langsam näher.

An einem Abend pro Woche sah ich die angehenden Yogalehrerinnen die Treppe hinaufgehen. Ich betrachtete sie voller Ehrfurcht, weil ich damals noch dachte, man müsse unglaublich erfahren, akrobatisch und besonders gelenkig sein, um überhaupt Yogalehrerin werden zu können.

Nach der Geburt meines zweiten Kindes entschied ich mich schließlich selbst für eine Yogalehrerausbildung. Nicht, weil ich unterrichten wollte, sondern weil mir die reinen Yogastunden nicht mehr genügten. Ich wollte tiefer eintauchen in dieses große, für mich noch unerforschte Feld der achtsamen Einkehr.

In welcher Phase deines Lebens hat sich aus der Praxis der Gedanke entwickelt, selbst zu unterrichten?

Erst sehr spät – eigentlich erst am Ende der zweijährigen Yogalehrerausbildung. Meine Intention war nie, zu unterrichten, sondern Yoga selbst zu erfahren und zu begreifen.

Der Wunsch, selbst zu lehren, kam schleichend. Fast unbemerkt.

Meine Ausbilderin war es, die mich mehr oder weniger ins kalte Wasser warf. Zunächst vertretungsweise, und kurze Zeit später hatte ich meinen ersten eigenen Kurs. Rückblickend war genau dieses langsame Hineinwachsen für mich stimmig.

Du arbeitest mit Hatha, Yin und Mantra-Elementen – wie würdest du deinen persönlichen Stil beschreiben?

Ich würde meinen Stil schlicht als Yoga mit Bernadette beschreiben. Nicht, weil ich mich nicht festlegen kann, sondern weil ich mich nicht festlegen möchte.

Das, was uns als Menschen und als Yogalehrer*innen ausmacht, ist immer Ausdruck unseres Selbst und unserer Erfahrungen. Und das, was wir lieben, geben wir weiter.

Für mich war Verbindung schon immer zentral. Dort, wo andere sich vielleicht abgrenzen möchten, suche ich Verbindung – ohne mich aufzuopfern oder meine eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen.

Schon als Kind fühlte ich mich stark verbunden mit den Menschen und Tieren um mich herum. Das war und ist bis heute manchmal anstrengend, weil es bedeutet, mein Gegenüber wirklich zu spüren. Gleichzeitig empfinde ich es als Gabe, weil dadurch tiefe Begegnung möglich wird.

Durch Mantrasingen und Thai Yoga Bodywork habe ich meine Art, in Verbindung zu gehen, um zwei weitere Ebenen erweitert. Mit dem Klang meiner Stimme, begleitet vom Harmonium, das in Resonanz mit dem Wasser in uns geht, und durch die körperliche Berührung im Thai Yoga habe ich Wege gefunden, meiner selbst Ausdruck zu verleihen und gleichzeitig Räume zu schaffen, in denen Menschen sich sicher fühlen und sich selbst begegnen können. Für mich ist das reine Hingabe.

Aus dieser Haltung heraus entstehen auch meine Yogastunden und unsere Workshops und Retreats. Sie sind nie vorbereitet und nie gleich, sondern entstehen aus meinem Inneren heraus. So dürfen sie unterschiedliche Qualitäten tragen – Melancholie, Kraft, Sanftheit oder einfach Stille.

Welche Bedeutung haben Klang, Harmonium und Mantren für dich und wie beeinflussen diese Elemente das Erleben deiner Teilnehmenden?

Wie bereits angedeutet, geht Klang in Resonanz mit Wasser, und unser Körper besteht zu einem großen Teil daraus. Wir wissen, dass aus neurophysiologischer Sicht Gewebe, Atem und Nervensystem auf rhythmische Schwingungen reagieren. Es ist also nicht verwunderlich, dass wir über diese Form von – ich nenne es bewusst einmal ganz unwissenschaftlich – „Vibration“ in einen tiefen Entspannungszustand gelangen können.

Für mich spielt nicht nur der Klang selbst eine große Rolle, sondern vor allem die Art und Weise, wie er eingesetzt wird. Es braucht Einfühlungsvermögen, um Menschen dort abzuholen, wo sie gerade sind – oft liegend, müde, sensibel oder nach einem fordernden Tag.

Ich lasse den Klang langsam anschwellen, trage die Teilnehmenden und nehme sie mit.Ähnlich wie im Thai Yoga, wo ich mich als Gebende mit der Atmung des Nehmenden verbinde, um auf derselben Welle zu schwingen, lässt sich dieses Prinzip auch auf Mantren übertragen.

Mantren tragen jeweils eine eigene Qualität: Om Shanti steht für Frieden, Lokah Samastah Sukhino Bhavantu für Verbundenheit über das eigene Ich hinaus. Sie wirken nicht über den Verstand, sondern über Wiederholung, Rhythmus und Resonanz.

Welche Rückmeldungen bekommst du am häufigsten – und welche berühren dich besonders?

Am häufigsten sind es keine Worte. Schweigende Blicke der Verbundenheit, die keiner Erklärung bedürfen. Ein stilles Wissen darum, dass Verbindung da ist – auch in einer großen Gruppe.

Seit Beginn meiner Ausbildung begleitet mich der Gedanke von Aparigraha, dem Nicht-Anhaften. Das, was ich verkörpere, hat nichts mit Ego oder dem Wunsch nach Bestätigung zu tun, sondern damit, etwas in die Welt zu bringen, das Ausdruck von wahrhaftiger Liebe ist.

Wenn mir jemand sagt, meine Stunden fühlten sich an wie eine Liebkosung für die Seele, dann darf diese Person darauf vertrauen, dass genau das mein inneres Anliegen ist. Und in solchen Momenten weiß ich: Ich bin dort, wo ich sein möchte.

Das ist tatsächlich ein so schönes Zitat, dass es sich perfekt als Abschluss für das gesamte Interview eignen würde … aber das war erst der erste Teil! Seid gespannt auf nächste Woche, wenn Bernadette mehr über ihre persönlichen Rituale und Herausforderungen sowie ihre Vision für die Zukunft erzählt. Es lohnt sich auf jeden Fall, das zu lesen, also schaut unbedingt vorbei!

In der Zwischenzeit könnt ihr ihr auf Instagram folgen: Yoga mit Bernadette

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